Ist die CDU für die Türkischstämmigen eine Option?

Ist die CDU für die Türkischstämmigen eine Option?

Faktisch haben wir es heute mit einer absurden Lage zu tun: Tragende Kräfte der Politik Angela Merkels befinden sich links der Union, während Teile der CDU, der CSU und der AfD im rechtspopulistischen Gleichschritt marschieren.

Wer ermessen will, wie stark Merkel die CDU veränderte, muss nur in die Vergangenheit schauen. Die letzte Rede vor Merkels Wahl hielt Hans Filbinger. Der Mann musste als Ministerpräsident von Baden-Württemberg zurücktreten, weil er als NS-Marinerichter Todesurteile gegen Deserteure verhängt hatte. In seiner Rede verurteilte Filbinger die Zulassung homosexueller Lebenspartnerschaften als „Pervertierung“ der Verfassung. Er wetterte gegen das Abtreibungsrecht. Und er forderte ein Ende der „Geschichtsklitterung“ in Schulbüchern, in denen es zu sehr um das Dritte Reich gehe. Filbinger wird nicht etwa ausgebuht, sondern ordentlich beklatscht. Vorbei ist auch die Zeit als Roland Koch und Jürgen Rüttgers noch mit Unterschriften gegen den Doppelpass oder besser gesagt gegen die Türkischstämmigen sammelte und Parolen wie „Kinder statt Inder“ noch hoffähig waren. Die Merkel-CDU stellte den ersten Integrationsminister, die erste türkischstämmige Ministerin und den Bundespräsidenten, der den Satz prägte: „Der Islam gehört zu Deutschland“. Für viele Türkischstämmige bleibt Wulff Der Bundespräsident. 

Die Bundeskanzlerin für die Entwicklungen der CDU abzustrafen, wäre falsch. Zu groß ist Gefahr einer AfDisierung der CDU. Das hätte erhebliche Auswirkungen auf die Gesellschaft insbesondere auf die türkische Minorität. Solidarität, Gleichheit und Gerechtigkeit würden dann erst einmal innerhalb der gleichen Gruppe gelten. Das gesellschaftliche Klima könnte zu neuen schrecklichen Höhepunkte rassistischer Gewalt führen. Seit dem Wahlabend, an dem Donald Trump siegte, ist die Zahl rassistisch motivierter Übergriffe selbst im liberalen New York City um 115 Prozent gestiegen. 

Eine Ausblick auf diese Entwicklung gewährt auch Ungarn. Landesweit agiert ein Netzwerk paramilitärischer Wach- und Ordnungstrupps. Die Trupps marschieren durch Wohnviertel von Minderheiten wie z.B. den Roma, greifen sich nach gusto Menschen und üben Selbstjustiz aus. Die EU sieht untätig zu.

Türkischstämmige CDU-Wähler sollten bei der Bundestagswahl weiterhin der CDU treu bleiben. Es gilt den liberalkonservativen Flügel der CDU auch für die Zukunft zu stärken. Selbstverständlich ist es für Türkischstämmige nicht einfach, jetzt noch die CDU zu wählen aber „wir“ müssen es ganz nüchtern betrachten. „Wir“ haben keine andere Option als die Taktische.

Devrim S.

Deutsch-Türkische Akademiker (DTA)

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1 Kommentar

  • Geschrieben 10. December 2016

    Siyami Basoglu

    Meiner Meinung nach sind alle klassischen Parteien keine Option mehr.
    Bei der Türken und Islam Hetze..
    Ich werde die ADD wählen.
    Es ist Zeit die Stimme zu erheben!

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