Das türkische Lebensmodell als Vorbild?

Das türkische Lebensmodell als Vorbild?

In Deutschland gibt es rund 14 Millionen Einpersonen-Haushalte – Tendenz steigend. In den Städten lebt sogar die Hälfte der Menschen alleine. Leistungsträger-Premiumsingle-Vorstellung, übertriebene Selbstverwirklichung, übertriebene Selbstliebe, übertriebener Anspruch haben seinen Preis. Man bleibt alleine. Natürlich gibt es auch gute Gründe für das Single-Leben aber darum geht es nicht.

Durch die Abkehr von ihren traditionellen Werten hin zu Individualisierung und Liberalisierung befinden sich Teile der Gesellschaft in einem Zustand der Desorientierung und Desillusionierung. Welche Wertigkeit hat Leben, in dem alles möglich scheint, Grenzen stetig verschoben werden und es dennoch an Sinnhaftigkeit fehlt?

Das Singledasein kann nicht nur der Psyche schaden, es gefährdet auch die Gesundheit. Wissenschaftliche Studien zeigen: Allein lebende Menschen haben ein mindestens vierfach erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod. Außerdem wirken sich Liebe und Unterstützung eines Partners positiv auf den Verlauf einer Herzerkrankung aus. Das ergaben Studien, die auf dem Kongreß der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) in München vorgestellt wurden. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 100.000 Menschen ohne Vorwarnung und ohne offensichtliche Krankheitsursachen an Herzversagen.

Dänische Wissenschaftlicher analysierten die Lebensumstände die zum plötzlichen Herztod führen. „Von allen untersuchten sozialen Faktoren war Alleinleben jener, der am stärksten mit dem plötzlichen Herztod in einem Zusammenhang stand“, berichtete die dänische Medizinerin Kirsten Melgaard Nielsen.

Offenkundig können traditionelle Formen des Zusammenlebens gesamtgesellschaftliche Vorteile zum Nutzen aller entfalten. Man muss weder für antiquierte Rollenbilder, für Importbräute noch gegen die Ehe für alle sein, um sich deutlich konservative Positionen zu wünschen.

Wir haben es heute vorwiegend mit zwei kulturellen Milieus zu tun haben, einem liberal individualistischen und einem völkisch-nationalkonservativen.

Es braucht ein konkurrenz- wie sprachfähiges liberal-konservatives Gegenmodell als Korrektiv. So könnte ein echter Diskurs zwischen bewahrenden und verändernden Kräften entstehen.

Die Mehrheit der Türkischstämmigen sehen keinen Widerspruch zwischen dem modernen Leben und Individualismus einerseits und ihrer intensiven Familienorientierung, der Selbstverständlichkeit einer Ehe.

Vielleicht sollte Deutschland zumindest in diesem Punkt etwas türkischer werden.

 

Devrim S.

Deutsch-Türkische Akademiker e.V.

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