Die Geschichte der Türkeistämmigen IV

Die Geschichte der Türkeistämmigen IV

Die Türkei umfasst eine Bevölkerung von 78 Millionen Menschen und ist bedingt durch ihre Geschichte und der geographischen Lage ein Vielvölkerstaat. In der Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit gibt es nur Türken und Kurden. Da viele türkeistämmige Minderheitengruppen keine starke Stimme innerhalb der deutschen Gesellschaft haben, existieren sie schlicht nicht. Es ist daher an der Zeit, die Geschichte der Türkeistämmigen als Ganzes öffentlich zu machen, sie auch als Teil der türkischen aber auch der deutschen Geschichte zu betrachten und an ihrer Repräsentation zu arbeiten. Es geht hier nicht um wissenschaftliche Tiefe, sondern um ein Bewusstmachen. Der vierte Teil der Serie befasst sich mit den Afrotürken.

Die historischen Wurzeln der Afrotürken in der Türkei reichen 300 Jahre zurück. Damals wurden sie als Sklaven aus dem Sudan, Kenya Libyen, Tansania und Äthiopien ins Osmanische Reich deportiert. Das Osmanische Reich hatte ständig Bedarf an Nachschub, weil viele Sklaven freigelassen wurden und europäische Sklaven weniger verfügbar waren. «Falsche Herkunft, immer Sklave» galt im Osmanischen Reich nicht. Die Türken, in der Schlacht so furchterregend und unerbittlich, in der Unterdrückung und in der Anwendung des Rechts so hart und streng, erwiesen sich im alltäglichen und privaten Leben als, ehrenhaft, mildtätig, bescheiden und gastfreundlich. Besonders in den nordafrikanischen Provinzen, aber auch in Istanbul, gab es auch Spanier, Italiener, Franzosen und Ungarn, die sich den Osmanen freiwillig angeschlossen hatten. Es gibt keine Statistiken über die genaue Anzahl der in der Türkei lebenden Afrotürken. Das jährliche Festival der Afrotürken, der Dana Bayrami (Kalbsfest), fand schon zu Zeiten der Sklaverei bis in die 60iger Jahre statt. Danach geriet er in Vergessenheit, ist aber in 2007 wiederbelebt worden. Der 1. neue Dana Bayrami fand in 2007 in Ayvalik statt, seitdem findet er jährlich in anderen Orten rund um Izmir statt und wird von tausenden Afrotürken besucht.

Die meisten Afrotürken definieren sich in erster Linie als Türken. Nur eine Minderheit sieht sich als türkische Staatsbürger mit afrikanischen Wurzeln. Viele Afrotürken haben es in angesehene Positionen in Politik, Sport, Kultur, Militär und Wirtschaft gebracht. Besonders bekannt sind der ehemalige
Bürgermeister von Dalaman, Musa Siva, die Sängerin Esmeray und der Fussballfunktionär Hadi Türkmen.

Weltruhm erlangte Ahmet Ali Celikten. Er war der erste schwarze Pilot der Geschichte. Der nigerianisch-stämmige Osmane diente ab 1914 in der Osmanischen Luftwaffe und studierte das Fliegen unter anderem auch in Berlin.

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Devrim Sirin Deutsch-Türkische Akademiker (DTA)

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