Die Türkeistämmigen und der leistungsunabhängige soziale Filter

Die Türkeistämmigen und der leistungsunabhängige soziale Filter

Alle paar Monate wird eine Studie zu den Türkeistämmigen vorgestellt. Periodisch wird das angeblich geringe Bildungsniveau der Türkeistämmigen öffentlich thematisiert.

Wie sieht sieht die tatsächliche Sachlage aus?

44 Prozent der Original-Deutschen im Alter zwischen 17 und 45 haben Abitur oder einen höheren Abschluss. Bei den Türkeistämmigen ist es knapp ein Drittel. Die Medien bauschen das zu einer Katastrophe auf. Was soll an diesem Wert schlecht sein? Schließlich wanderte das türkische Prekariat ein. Unsere Eltern waren teilweise Analphabeten. Abitur ist ja auch nicht gleich Abitur. Deutliche Bewertungsunterschiede zwischen den Ländern ziehen die Aussagefähigkeit in Zweifel. Zumal wirklich nur wenige Prozente die Türkeistämmigen von Original-Deutschen trennen und das trotz erwiesener Benachteiligung durch Lehrkräfte. Das eigentliche Problem der Türkeistämmigen ist nicht die Abi-Quote sondern die mangelhafte Integration in den Arbeitsmarkt. In keinem OECD-Land schaffen es weniger Makelhintergründler in den öffentlichen Dienst als in Deutschland. Die Arbeitslosenquote bei Akademikern mit Makelhintergrund liegt bei 12,5 Prozent, bei Akademikern ohne Makelhintergrund liegt sie bei 4,4 Prozent.

Warum werden nie wirkliche „Problem-Migranten“ thematisiert. Tatsächlich ist die Hauptschul-Quote bei den Italienstämmigen höher als bei den Türkeistämmigen. 71,6 Prozent der Italienstämmigen verfügen nur über einen niedrigen oder gar keinen Schulabschluss. Ein Großteil der Italiener verfügt zudem über keine abgeschlossene Ausbildung. Dieses Defizit schlägt sich auf dem Arbeitsmarkt nieder. Laut Statistischem Bundesamt sind 11,1 Prozent der Italienstämmigen arbeitslos, das ist fast doppelt so viel wie bei den Original-Deutschen. Sie gelten aber einfach so als bestens integriert, sind beliebt, und spielen in der Integrationsdebatte überhaupt keine Rolle -weil sie europäische Christen/Kulturchristen sind.

Was auch völlig ignoriert wird, ist, dass der Faktor Bildungshintergrund bei Orginal-Deutschen sogar schwerer wiegt. Die Chancen, das Abitur zu erreichen, ist für Schüler aus gebildeten Elternhäusern noch immer etwa siebenmal höher als für Schüler aus bildungsfernen Familien.

Wir müssen Prävention als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachten und aufhören jegliches Problem als reines Türkenproblem zu qualifizieren aber auch die Türkeistämmigen sind nicht einfach Opfer wie es auch Orginal-deutsche Arbeiter nicht sind. Es ist nicht immer die ausbleibende Hilfe bei Hausaufgaben, die für schlechte Bildung sorgt, sondern nicht selten nur die mangelnde Erziehung und Wertevermittlung im Vorfeld – und dafür braucht man kein Abitur. Wer einen Hauptschulabschluss hat und hart körperlich arbeitet, kann seine Kinder nicht bei den Schulaufgaben unterstützen aber er sollte eigentlich in der Lage sein, seinen Kindern begreiflich zu machen, dass Bildung die Zukunft ist und eher die nötige Nachhilfe, statt das aktuellste Smartphone finanzieren. Oft wird aber auch einfach falsch vorgelebt.

Die Schulen können zumindest die kooperative Elternarbeit forcieren, um Eltern zur aktiven Unterstützung der Schullaufbahn ihrer Kinder zu befähigen.

Darüber hinaus bedarf es struktureller Maßnahmen, die in die Zuständigkeit der Bundesländer fallen. Ein Beispiel hierfür ist eine gezielte Unterstützung der Schulen auf Basis von Sozialindizes, die den Förderbedarf einzelner Schulen anhand verschiedener Indikatoren der Schule und ihres sozialen Umfelds (z.B. Arbeitslosenquote) ermitteln. Damit Ausgleichsmaßnahmen nicht von der finanziellen Situation der Eltern abhängen und die Verwahrlosungsgefahr reduziert werden kann, sind Ganztagsschulen notwendig.

Auch für die Integration in den Arbeitsmarkt sind Maßnahmen zwingend erforderlich.

Da sich weite Teile der freien Wirtschaft gegenüber Türkeistämmigen verschließen, müssen sich die Behörden mehr öffnen. Wenn die bildungsmäßigen Voraussetzungen stimmen, spricht alles für eine Minderheitenquote. Darüber hinaus würde sich langfristig so auch die Wahrnehmung der Mehrheitsbevölkerung über gefühlte Ausländern ändern.

Wir fordern daher eine Minderheitenquote von 15 % für den Öffentlichen Dienst im Bund. Auf Länderebene fordern wir eine dem Bevölkerungsanteil entsprechende Flexi-Quote.

Devrim Sirin Deutsch-Türkische Akademiker (DTA)

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