Do’s & Don’ts in Vorstellungs- gesprächen

Do’s & Don’ts in Vorstellungs- gesprächen

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind zum Vorstellungsgespräch eingeladen!

Ein Anruf und schon kribbelt es im Bauch. Bisher kamen mir die Jobs immer entgegen geflogen. Das erste Mal (für mein Alter schon ungewöhnlich =)) habe ich also ein Vorstellungsgespräch. Sehr aufregend aber auch irgendwie beängstigend, wenn in der Einladung auch noch steht, dass ich ad hoc eine 15- Minuten Präsentation vorbereiten und im Anschluss 15 Minuten vortragen soll und im Anschluss daran 45 Minuten befragt werde. Nun gut- Aufregungen sind schön, bringen einen aber nicht sehr viel weiter. Also bereite ich mich intensiv vor und setzte mich mit gewissen Do’s und Don’ts auseinander. Einige wichtige Hinweise möchte ich gerne zusammenfassen und mit Ihnen teilen. [1]

  1. Das Erscheinungsbild:

Der erste Eindruck, den der potentielle neue Arbeitgeber sich machen kann, bezieht sich auf das äußere Erscheinungsbild. Es ist sehr wichtig, dass Sie sich dem Unternehmen entsprechend kleiden. Sie sollten also ungefähr einschätzen können, ob es für die Branche einen bestimmten Dresscode gibt. Man sollte sich den Üblichkeiten angepasst kleiden. Ordentlich gekleidet, dezent parfümiert, dezent geschminkt sowie mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht dürfte alles perfekt sein. Das Tragen einer Armbanduhr soll übrigens ein Zeichen für Zeitmanagement sein. Mit kleinen aber durchdachten Accessoires kann man also schon erste Punkte sammeln.

  1. Organisation

Zur Selbstpräsentation gehört auf jeden Fall auch eine gute Organisation. Fahren Sie frühzeitig los, kalkulieren Sie Staus und Parkplatzproblematiken ein, notieren Sie sich vorher Adresse und Telefonnummer einer Kontaktperson, dann vermeiden Sie jeglichen Stress vor der Ankunft im Unternehmen. Je entspannter Sie ankommen, desto besser für das Gespräch. Von Karriereplanern wird empfohlen eine Mappe oder eine Handtasche bei sich zu haben, die nur das Nötigste beinhaltet: Stift und Block. Wenn Sie ansonsten noch andere Dinge in Ihrer Handtasche mittragen, pack Sie sie lieber aus. Somit vermeiden Sie langes Suchen in der Tasche und das signalisiert, dass Sie strukturiert und organisiert sind.

  1. Begrüßung – Smalltalk

Es ist wohl ein ungeschriebenes Gesetzt, dass man als Bewerber/in nicht die Hand anbietet. Reicht also das Bewerbungskomitee nicht die Hand zur Begrüßung, dann machen Sie es lieber auch nicht. Falls doch, dann wollen die lieben Leute keinen toten Fisch in der Hand halten. Ein fester Händedruck und Blickkontakt ist hier angebracht. Auch der Small Talk ist ein wichtiger Einstieg in das eigentliche Vorstellungsgespräch. Achten Sie darauf, was und wie viel Sie erzählen und achten Sie auch auf Ihre Körperhaltung: Die Arme nicht verschränken, aufrecht sitzen und den Oberkörper leicht nach vorne neigen – aber nicht halb auf dem Tisch liegen. Wenn Sie ganz cool nach hinten gelehnt da sitzten, könnte es Ignorant und Arrogant wirken. Am wichtigsten ist aber, dass Sie sich in Ihrer Sitzhaltung wohl fühlen.

  1. Erste Gegenseitige Vorstellung:

Meistens stellt sich das Unternehmen zuerst vor. In meinem Fall wurde der Ablauf der Gesprächssituation transparent gemacht, damit ich mich auf alles gut einstellen kann. Hier ist es wichtig sehr aufmerksam zuzuhören und sich Notizen zu machen. Erstens zeigt es Interesse und zweitens können Sie später Rückfragen stellen, wenn noch etwas unklar erscheint. Wenn Sie aufgefordert werden sich vorzustellen, sollten Sie kurz und prägnante Sätze formulieren. Empfehlenswert ist hierbei, sich vorher eine Struktur zu überlegen. Was sollen Ihre Gesprächspartner auf jeden Fall über Sie erfahren? Und welche Ihrer Eigenschaften sind relevant für die ausgeschriebene Stelle? Die wichtigsten W-Fragen für die Selbstdarstellung sind:

Wer bin ich? Und: Was kann ich? Bündeln Sie Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen und nennen Sie insbesondere die, die für die Stelle relevant sind.

  1. Motivationsfrage: Warum haben Sie sich für diese Stelle beworben?

Das ist Ihre erste Chance zu überzeugen. Sie müssen authentisch vermitteln, dass Sie die Aufgaben auf der neuen Stelle sehr gerne übernehmen wollen. Die Augen müssen funkeln. Jeder Arbeitgeber möchte begeisterte Mitarbeiter/innen. Um Ihr Engagement richtig vermittelt zu können, sollten Sie vorher die Stellenausschreibung gründlich studieren und mit sich selbst in Verbindung bringen. Empfehlenswert ist natürlich, dass Sie sich mit dem Unternehmen bereits ordentlich auseinander gesetzt haben. Die Motivationsfrage zielt einerseits auf Ihre Fähigkeiten und andererseits auf  Ihre Persönlichkeit ab. Sie können also gerne auch persönliche Beispiele einbauen aber achten Sie darauf, dass Sie nichts Negatives erzählen. Kein neuer Arbeitgeber möchte zum Beispiel leidvolle Erfahrungen von dem vorherigen Arbeitgeber hören. Das interessiert sie/ihn erstens nicht und zweites erscheinen Sie als Lästerbacke. Auch wenn hinter Ihren Erfahrung Negatives steckt, sollten Sie sich bemühen es positiv zu formulieren. Die Motivationsfrage birgt also eine intensive Auseinandersetzung und die Reflexion eigener Erfahrungen. Das kann schwierig werden und kostet Zeit. Ehrliche Freunde sind dafür hilfreiche Übungspartner. Folgende Formulierungen könnten helfen..

  • Ich möchte diese Aufgaben sehr gerne übernehmen, weil…
  • Mich reizt es wenn…
  • Mich begeistert…
  • Mich interessiert sehr…
  • Ich passe zur vakanten Stelle, da ich…
  1. Beliebte Fragen, die gestellt werden sind folgende:
  • Was wissen Sie bereits von unserer Behörde/Institution/Unternehmungen?
    • Das Komitee will herausfinden, ob Sie sich sie informiert haben und wie wichtig Ihnen die Stelle ist.
  • Was erwarten Sie von der neuen Aufgabe?
    • Mit Ihrer Antwort zeigen Sie, ob und inwieweit sie eine realistische Einschätzung über die Stelle haben.
  • Warum sollten wir gerade Sie einstellen? Was haben Sie Besonderes für die Aufgabe zu bieten?
    • Jetzt haben Sie die Möglichkeit Ihre Stärken, Fähigkeiten und Kenntnisse zu präsentieren. Überlegen Sie sich vorher genau, was Sie sagen wollen und was Sie lieber nicht sagen sollten. Untermauern Sie ihre Argumente mit Beispielen. Kurze Beispiele aus Ihrem Erfahrungsschatz sind ein guter Ansatz.

Manche Arbeitgeber fragen auch explizit nach Ihren Stärken und Schwächen. Wenn Sie Schwierigkeiten damit haben, ihre Stärken und Schwächen zu identifizieren, dann tauschen Sie sich mit Kollegen aus oder reflektieren Sie mit Ihren Freunden darüber. Wichtig ist, sowohl bei den Stärken als auch bei den Schwächen nicht zu übertreiben und zu viel zu erzählen.

  • Wo sehen Sie sich in drei Jahren?
    • Diese Frage zielt auf Ihre Zukunftspläne ab. Ihr potentieller Arbeitgeber möchte wissen, ob Sie einen Plan haben. Je nachdem, wie das Anforderungsprofil ist, sollte man sich kluge Antworten hierfür überlegen. Hierbei ist ein goldenes Mittelmaß empfehlenswert. Zielen Sie nicht direkt auf den Chefsessel aber untertreiben Sie auch nicht und zeigen Sie, dass Sie sich weiter entwickeln wollen.
  • Was bedeutet für Sie Teamarbeit
    • Mit dieser Frage will das Komitee nicht nur erfahren, ob Sie teamfähig sind sondern auch, wie Sie im Team arbeiten. Sind Sie der Typ auf Augenhöhe oder sind Sie der, der die Führung schnell übernimmt? Mit Ihrer Antwort kann der zukünftige Arbeitgeber einschätzen, ob Sie in das bestehende Team passen.

Ich wurde zusätzlich gebeten eine Konfliktsituation zu erzählen, die ich bisher in einem Team erlebt habe und wie ich diese gelöst habe.

  • Was ist Ihnen im Arbeitsumfeld besonders wichtig?
    • Diese Frage bietet die Möglichkeit Ihre Wertvorstellungen zu präsentieren, die wichtige Details über Ihre Persönlichkeit widerspiegeln.
  1. Gesprächsabschluss
    • Am Ende des Gesprächs werden Sie auch die Gelegenheit bekommen Fragen zu stellen und diese sollten Sie auch wahrnehmen. Es ist sehr wichtig, dass Sie sinnvolle Fragen stellen. Das zeigt, dass Sie wirklich interessiert sind und auch eine gute Vorstellung über das Unternehmen oder Ihr zukünftiges Team bekommen wollen. Die letzte Phase des Gesprächs ist genauso wichtig, wie die erste Phase. Bedanken Sie sich für das freundliche Gespräch und fragen Sie, wann Sie eine Rückmeldung bekommen werden.

Das A und O, die eigenen Fähigkeiten strukturiert und mit einem roten Faden präsentieren zu können, ist eine gute Vorstellung über das Unternehmen und die Stellenausschreibung zu haben. Ich habe mir ein Word-Dokument angelegt und alles genauestens aufgeschrieben. Allein dieser Schreibprozess hat für eine gute Vorbereitung gesorgt. Wenn Sie sich auf eine Stelle bewerben, speichern Sie unbedingt die Stellenausschreibung ab. Den Fehler habe ich nämlich gemacht: Nachdem ich meine Bewerbung vor drei Monaten geschrieben habe, vergaß ich die Stellenausschreibung zu speichern. Nach dem Anruf bzw. die Einladung zum Gespräch folgte bei mir erst eine kurzen Panikwelle und ein großer Adrenalinschub, bis dann die Stellenausschreibung doch wieder aufgetaucht ist =))

Viel Erfolg!

Nilüfer NK – Deutsch-Türkische Akademiker e.V.

[1] Dieser Beitrag kann auch als Fortsetzung des Artikels „Bewerbungsschreiben 2015“ von Devrim Şirin verstanden werden.

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