Sind „türkische“ Kleinstparteien die erhoffte Lösung?

Natürlich sind die bekannten Parteien für die Türkischstämmigen unwählbar geworden -zumindest für 2017! Sie sind turkophob, islamophob, arbeiterfeindlich und noch viel mehr. Inhaltlich gibt es an allen etwas auszusetzen. Die SPD macht neoliberale Politik und Wahlkampf auf Kosten der Türkischstämmige, die Linke macht sich mit der Terrororganisation PKK gemein, die Grünen sind nicht mehr links und hetzen gegen Türkischstämmige und gegen die DITIB. Und erst die Köpfe! Özdemir! Gabriel! Wagenknecht!

Aber wer bitte soll die SPD wieder sozialer und liberaler machen, wer soll die CDU nach Merkel vor einer AFDieserung retten, wenn alle die sie kritisieren, dass aus der bequemen Distanz tun? Wie soll eine „türkische“ oder muslimische Kleinstpartei, die mit absoluter Gewissheit nicht mal gewählt werden wird, eine Veränderung bewirken? Gerne wird auf die neue niederländische Migrantenpartei Denk verwiesen, die großen Zuspruch erhält. Die Niederlande haben aber fast 6% Muslime und diese sind weit homogener als die Deutschtürken. Daher kann man einen etwaigen Erfolg nicht einfach auf Deutschland übertragen. Die Türkeistämmigen machen gerade einmal eine Mio. Wahlberechtigte aus. Die Fertiltät der türkischen Frauen unterscheidet sich nicht groß von den Deutschen. Bei der Wahlbeteiligung sind die Türken auch nicht besser. Das zeigte gerade die NRW-Wahl. Die Zustimmung für die „türkischen“ und muslimischen Parteien lag auf dem Niveau von der Tierschutzliste. Natürlich kann das Ganze in 10-15 Jahren ganz anders aussehen aber wohl kaum im erforderlichen Maße. Das Problem liegt nicht wirklich bei den Aktiven. Die konservative Zielgruppe interessiert sich in der absoluten Mehrheit schlicht nicht für die deutsche Politik. Sie sind mit dem Herzen und mit dem Köpfen in der Türkei. Das muss man zur Kenntnis nehmen.

Sicher ist es für die türkischstämmige Konservative schön unter sich zu bleiben aber was bringt die ganze Energie wenn es letztlich als Strohfeuer endet. Man stelle sich vor was die ganzen aktiven Türkischstämmigen aus den Kleinstparteien in den Alt-Parteien erreichen könnten. Man sieht ja was eine Handvoll CAF-CDUler alleine in der CDU bewirkt haben. Eine Fragmentierung der Türkischstämmigen macht es den Alt-Parteien leicht ihre dissoziale und tendenziell minderheitsfeindliche Politik fortzuführen.

Es braucht eine strategische Tiefe. Man muss sich vergleichbare Minoritäten in den USA anschauen z.B. den Latinos. Ihre Lebensbedingungen und Probleme haben viel mehr Gemeinsamkeiten mit den Türkeistämmigen als mit denen jeder anderen ethnischen Gruppe. Die Lobby-Organisation LA RAZA ist extrem erfolgreich, weil sie sich zuerst außerparlamentarisch organisierte und dann erst in die Parteien ging. Den Weg sollten auch „türkische“ Kleinstparteien einschlagen und erst gar nicht in Konkurrenz zu den Alt-Parteien gehen. Dazu müssten sie sich aber vereinen und allen Türkischstämmigen öffnen -also auch den Linken.

Hinter den türkeistämmigen Abgeordneten steht keine deutsch-türkische Lobbyorganisation. So wurden sie zu Parteisoldaten und damit zu bloßer Knetmasse. Dagegen sind Vorstandsmitglieder der LA RAZA sowohl mit Republikanern als auch mit Demokraten hervorragend vernetzt.

So funktionieren die Netzwerke und der Einfluss auch wenn es verschiedene Parteien sind. Im Übrigen macht die PKK, die CAF und die „alevitischen“ Verbände nichts anderes. Neben der erfolgreichen Parteiarbeit, haben sie in fast jeder deutschen Großstadt ihre Hochschulgruppen und Akademikerkreise. Dabei sind sie wirklich klein aber der Einfluss ist da. Unsere Aktiven fliegen eher nach Ankara und suchen dort eine Bindung. Welches Vorgehen, mehr Einfluss in Deutschland bringt, muss nicht näher erläutert werden. Straft die Parteien ab aber wendet Euch nicht völlig ab. Geht den schweren Weg und werdet aktiv bei der CDU, der SPD, den Grünen und der Linken. Wer sich nicht überwinden kann, sollte zumindest bei einer „türkischen“ Kleinstpartei aktiv werden aber sich mit den Türkischstämmigen der Alt-Parteien vernetzen. Neben der zwingend erforderlichen Partizipation, wären auch gesamtgesellschaftlich postitive Effekte zu verzeichnen. Wir müssen uns ändern!

Devrim Sirin.

Deutsch-Türkische Akademiker (DTA)

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2 Kommentare

  • Geschrieben vor 17 Tagen

    Özgür Topcu

    Thema ist höchst aktuell und interessant . die Art wie Sie schreiben gefällt mir , leicht zu lesen und verständlich, Danke

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