„Türkische“ Kleinstparteien sind keine Lösung

„Türkische“ Kleinstparteien sind keine Lösung

Natürlich machen es die Alt-Parteien gerade den Türkischstämmigen nicht einfach. Sie sind zumindest im Wahlkampf tendenziell eher islamophob und nicht gerade arbeiterfreundlich. Inhaltlich gibt es an allen etwas auszusetzen. Die SPD macht neoliberale Politik und Wahlkampf auf Kosten der Türkischstämmige, die Linke macht sich mit der Terrororganisation PKK gemein, die Grünen haben gar keine Verortung mehr. Und erst die Köpfe! Özdemir! Gabriel! Wagenknecht!

Aber wer bitte soll die SPD wieder sozialer und liberaler machen, wer soll die CDU nach Merkel vor einer AFDieserung retten, wenn alle die sie kritisieren, dass aus der bequemen Distanz tun? Wie soll eine „türkische“ oder muslimische Kleinstpartei, die mit absoluter Gewissheit nicht mal gewählt werden wird, eine Veränderung bewirken? Gerne wird auf die neue niederländische Migrantenpartei Denk verwiesen, die großen Zuspruch erhält. Die Niederlande haben aber fast 6% Muslime und diese sind weit homogener als die Deutschtürken. Daher kann man einen etwaigen Erfolg nicht einfach auf Deutschland übertragen. Die Türkeistämmigen machen gerade einmal eine Mio. Wahlberechtigte aus. Die Fertiltät der türkischstämmigen Frauen unterscheidet sich nicht groß von den Deutschen. Bei der Wahlbeteiligung sieht es nicht besser aus. Das zeigte gerade die NRW-Wahl. Die Zustimmung für die „türkischen“ und muslimischen Parteien lag auf dem Niveau von der Tierschutzliste. Natürlich kann das Ganze in 10-15 Jahren ganz anders aussehen aber wohl kaum im erforderlichen Maße. Das Problem liegt nicht wirklich bei den Aktiven. Die konservative Zielgruppe interessiert sich in der absoluten Mehrheit schlicht nicht für die deutsche Politik. Sie sind mit dem Herzen und mit dem Köpfen in der Türkei. Das muss man zur Kenntnis nehmen.

Sicher ist es für die türkischstämmige Konservative schön unter sich zu bleiben aber was bringt die ganze Energie wenn es letztlich als Strohfeuer endet. Man stelle sich vor was die ganzen aktiven Türkischstämmigen aus den Kleinstparteien in den Alt-Parteien erreichen könnten. Die Fragmentierung der Türkischstämmigen macht es den Alt-Parteien leicht ihre bisherige Politik fortzuführen.

Es braucht eine strategische Tiefe. Man muss sich vergleichbare Minoritäten in den USA anschauen z.B. den Latinos. Ihre Lebensbedingungen und Probleme haben viel mehr Gemeinsamkeiten mit den Türkeistämmigen als mit denen jeder anderen ethnischen Gruppe. Die Lobby-Organisation LA RAZA ist extrem erfolgreich, weil sie sich zuerst außerparlamentarisch organisierte und dann erst in die Parteien ging. Den Weg sollten auch „türkische“ Kleinstparteien einschlagen und erst gar nicht in Konkurrenz zu den Alt-Parteien gehen. Dazu müssten sie sich aber vereinen und allen Türkischstämmigen öffnen -also auch den Linken.

Die türkischstämmigen Aktiven fliegen eher nach Ankara und statt eine angebrachte Bindung in Berlin zu suchen. Welches Vorgehen, mehr Einfluss in Deutschland bringt, muss nicht näher erläutert werden. Geht den schweren Weg und werdet aktiv bei der CDU, der SPD, den Grünen und der Linken. Neben der zwingend erforderlichen Partizipation, wären auch gesamtgesellschaftlich positive Effekte zu verzeichnen. Die Türkischstämmigen müssen sich ändern!

Devrim Sirin.

Deutsch-Türkische Akademiker (DTA)

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2 Kommentare

  • Geschrieben 2. September 2017

    Özgür Topcu

    Thema ist höchst aktuell und interessant . die Art wie Sie schreiben gefällt mir , leicht zu lesen und verständlich, Danke

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